BerufsBilder Positionen zeitgenössischer Porträtfotografie

2. Dezember 2016 bis 19. März 2017

August Sanders großangelegte Fotoserie Menschen des 20. Jahrhunderts zählt zu den Meisterwerken der Porträtfotografie des vergangenen Jahrhunderts. Das Medium der Fotografie schien ihm besonders geeignet, ein Bild der Gesellschaft seiner Zeit festzuhalten, die sich aus verschiedenen Berufsständen zusammensetzte. Den Schwerpunkt seiner Aufnahmen bildet das ‚Berufsporträtʻ, das er von Bauern, Handwerkern, Arbeitern, Technikern, Akademikern aber auch Künstlern anfertigte. Sanders Werk, das bereits zu seiner Zeit auf große Resonanz stieß, wirkte auf viele nachfolgenden Fotografen inspirierend. Während Sander noch von der Einheit aus Person und Beruf ausging, die schon zu seiner Zeit durch die voranschreitende Industrialisierung und Bürokratisierung nur noch teilweise gegeben war, ist dies heute nur noch in Randbereichen zu finden. Nicht nur viele Berufe seiner Zeit sind längst verschwunden, auch die Zahl der vorhandenen Arbeitsplätze nimmt immer mehr ab. Das Ideal einer lebenserfüllenden Berufsarbeit ist aber nach wie vor aktuell.
Neben Aufnahmen von August Sander zeigt die Neue Galerie Arbeiten von Thomas Bachler & Karen Weinert, Herlinde Koelbl, Joerg Lipskoch, Hannes Rohrer, Stefan Schröder und Albrecht Tübke, die an Sanders ‚Berufsporträts‘ anknüpfend das Berufsleben ihrer eigenen Zeit reflektieren. Wie Sander wählen sie die serielle Darstellung, die zum Vergleich und somit zur Unterscheidung von typischen und individuellen Merkmalen innerhalb einer Gruppe einlädt. Inhaltlich und konzeptuell schlagen sie jedoch andere Wege als ihr Vorbild ein.

Simple Dinge. Alltägliches zwischen Skulptur und Malerei von Tom Früchtl und Axel Lieber

17. September – 20. November 2016

Tom Früchtl (*1966) und Axel Lieber (*1960) verwandeln alltägliche Gegenstände in Skulpturen. Während Lieber in die Dinge eingreift, sie aufschneidet, skelettiert oder zerlegt, um sie in komprimierter Form wieder zusammenzusetzen, lässt Früchtl sie ganz, überzieht sie aber vollständig mit Farbe. Dass es sich um Malerei handelt, ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen, denn der Farbüberzug wirkt täuschend echt. Früchtl lässt die Gegenstände unter der Farbe verschwinden, Lieber hingegen deckt deren Strukturen auf. Die Ausstellung präsentiert Schränke, Stühle, Pappkartons, Tüten u.a. im Spannungsfeld zwischen Alltag und Kunst, Malerei und Skulptur, Sein und Schein – immer mit einem verschmitzten Seitenblick auf die hohe Kunst.

Außen- und Innenansichten. Holzschnitte von Jan Brokof und Susanne Hanus

13. Mai – 17. Juli 2016

Parallel zu der Ausstellungen mit druckgraphischen Werken von Georg Baselitz im Dachauer Schloss und den Holzschnitten der Künstlerfreunde Walther Klemm und Carl Thiemann in der Gemäldegalerie stellt die Neue Galerie zwei für den zeitgenössischen Holzschnitt in Deutschland relevante Künstler der jungen Generation vor. Sie zeigen, dass dieses alte druckgraphische Medium nichts von seiner Faszination verloren hat und auch heute für unterschiedlichste künstlerische Ansätze genutzt wird.
Jan Brokof (*1977) setzt sich in seinen Arbeiten mit dem urbanen Raum auseinander, der die städtische Lebensweise prägt. Er nimmt die Randbezirke der Stadt, vor allem die Häuserblöcke der Plattenbausiedlungen in den Blick. Susanne Hanus (*1975) breitet ihre aus persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen gespeisten Szenerien und Geschichten auf großen Holztafeln aus, die sie zu mehrteiligen Wandinstallationen oder Holzparavents zusammenfügt. Die ungedruckten Innen-Geschichten von Susanne Hanus korrespondieren mit den gedruckten Schilderungen der Außenwelt von Jan Brokof, die in einer großen Installation und an den Wänden der Galerieräume zu sehen sind.

aus der Farbe Hundert Jahre nach Hölzel

4. Dezember 2015 – 6. März 2016

Ein gutes Jahrhundert nachdem sich die Farbe in der Malerei vom Gegenstand löste und autonom wurde, zeigt die Neue Galerie Dachau um eine kleine Farbstudie Adolf Hölzels herum Arbeiten von sechs zeitgenössischen Vertretern der Farbmalerei.
Gehörte Hölzel, die zentrale Persönlichkeit der Dachauer Künstlerkolonie, um 1905 zu den Pionieren der abstrakten Malerei, ist für die Künstler heute die Farbe ganz selbstverständlich das eigentliche Thema ihrer Bilder. Dafür sehen sie sich mit ihren handgemalten Bildern inzwischen einer Flut von elektronisch erzeugten Bildern gegenüber. Ohne Anlehnung an einen Gegenstand entstehen ihre Bilder während des Malprozesses ganz und gar aus der Farbe heraus, deren Zusammenspiel und -klang dabei im Fokus steht. Intuitiv, aber nicht unkontrolliert setzen sie farbige Formen, Flächen und Linien nebeneinander und übereinander, lasieren, kratzen ab und übermalen, bis ein spannungsvolles Gleichgewicht erreicht ist. Dabei entstehen Kompositionen, die eine Ordnung haben, ein Oben und Unten, ein Zentrum und Tiefe. Dass sich in dieser Richtung der zeitgenössischen Malerei sehr unterschiedliche künstlerische Ansätze ausprägen, ist an den Arbeiten von Petra Amerell, Claudia Desgranges, Ingrid Floss, Doris Hahlweg, Michael Toenges und Susanne Zuehlke zu sehen, die sich in Bildfindungsprozess, Technik und Format deutlich unterscheiden. Sie zeigen, dass Künstler heute immer wieder neue Wege finden, diese tradierte Art der Malerei, die in Dachau einen ihrer Ursprünge hatte, weiter zu entwickeln.

Webarten

19. September – 15. November 2015

Sieben zeitgenössische Künstler präsentieren Gewebe, aber keineswegs nur Textiles, sondern Texturen und Strukturen aller Art in verschiedensten Materialien und sehr unterschiedlichen Graden der Verdichtung. Lars Koepsel verwandelt handgeschriebene Texte in Bilder, die unlesbar geworden wie dichte Schriftteppiche erscheinen. Die Franziskanerin Sr. M. Pietra Löbl OSF zieht aus Leinengeweben in unterschiedlichen Rhythmen Kett- und Schussfäden, so dass aus ausgedünnten Stoffgefügen zarte Bilder werden. Katrin von Lehmann verflicht in Streifen zerschnittene Fotos zu neuen Bildern, die die Abbildhaftigkeit der Fotografie in Frage stellen. Dorothea Reese-Heim stellt aus modernsten synthetischen Metall- und Kunststoffgeweben transparente Formen her, die der belebten Natur nachempfunden sind. Brigitte Schwacke schafft aus ge- und umbogenen Drähten zarte dreidimensionale Gespinste, die frei im Raum schweben. Auch Monika Supé arbeitet mit Draht, verhäkelt diesen aber zu Kopfbedeckungen und Körperhüllen, die ganz eigenständige Formen entwickeln. Peter Weber schließlich täuscht Gewebe nur vor, denn bei seinen reliefartigen Filzobjekten handelt es sich um kunstvolle Faltungen. So entfaltet die Ausstellung ein Spektrum von verschiedenen Kunst-Geweben zwischen Bild und Raum.

Waterbound – Vom Leben mit dem Wasser

22. Mai – 26. Juli 2015

Kallmann Museum Ismaning
23. Mai bis 30. August 2015
 
Wasser ist das „Prinzip aller Dinge“, der „Quell des Lebens“, der „Ursprung allen Seins“. Mit Formulierungen wie diesen wird die herausragende Bedeutung beschrieben, die dem Wasser als unerlässlicher Ressource für nahezu alle Bereiche unseres Lebens zukommt – von der Ernährung bis zum Freizeitvergnügen, von der Hygiene bis zum Handel. Zunehmend wird diese Ressource aber auch unter ökonomischen wie ökologischen Aspekten thematisiert, sie ist unter Druck geraten. Es verwundert also kaum, dass das Wasser in seinen verschiedensten Erscheinungsformen und Funktionen bis in die heutige Zeit immer wieder Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung ist.
Die Ausstellung „Waterbound“ nähert sich dem Wasser von verschiedenen Seiten an und präsentiert dabei vielfältige Begegnungen mit diesem unverzichtbaren Element. Thema der Ausstellung sind nicht dessen ästhetisches Potential und seine Stofflichkeit in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen, sondern das Verhältnis von Mensch und Wasser, das auch von kultureller Prägung bestimmt ist. So ist Wasser, als Trinkwasser sowie als Grundlage des Ackerbaus, nicht nur auf existentielle Weise wesentlich für die Ernährung und damit für das Leben auf der Welt, es hat darüber hinaus viele weitere Funktionen. Daher spielen auch Aspekte des Eintauchens des Menschen in das Wasser, etwa beim Schwimmen oder beim Turmspringen ebenso eine Rolle wie die zunehmende Ökonomisierung des Wassers durch dessen Privatisierung. Andere Arbeiten nähern sich den Bedrohungen, denen der Mensch durch Wasserknappheit, aber auch durch Klimawandel und damit einhergehende Tsunamis und Überschwemmungen ausgesetzt ist. Das Meer wird gleichermaßen als verbindendes Element und als Gefahr thematisiert. Aber auch der Missbrauch des Wassers in der Foltermethode des Waterboardings ist Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung, während andere Arbeiten sich dem Element von einer erzählerischen, poetisch-romantischen Perspektive nähern.
„Waterbound – Vom Leben mit dem Wasser“ vereint zeitgenössische Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Videoarbeiten, die sich mit ökonomischen, sozialen, ökologischen, kulturellen und existentiellen Aspekten des vielschichtigen Verhältnisses von Mensch und Wasser auseinandersetzen. „Waterbound“ ist die erste gemeinsame Doppelausstellung der Neuen Galerie Dachau und des Kallmann-Museums Ismaning und Teil des Ausstellungsprojekts „Wasser“ der Arbeitsgemeinschaft „Landpartie – Museen rund um München“.

Zu sehen sind Arbeiten von Marina Abramović, Kader Attia, Vanessa Billy, Julian Charrière, Daniel Gustav Cramer, Tue Greenfort, Nathalie Grenzhäuser, Haubitz+Zoche, Markus Heinsdorff, Jenny Holzer, Joanna Jesse, Sven Johne, Susanne Kutter, Petra Liebl-Osborne, Hans-Christian Schink, Katrin Schürmann, Claudia Shneider, Cornelius Völker und Herman de Vries.

Der Landschaft entnommen. Zeitgenössische Malerei II

23. Januar – 22. März 2015

Die Neue Galerie Dachau zeigt zum zweiten Mal zeitgenössische Positionen von Landschaftsmalern. Stephan Conrady, Carmen Jäckel, Esther Rutenfranz und Barbara Spaett zeigen Bilder und Objekte, in denen es um den Baum und seine Früchte geht.
Die Landschaft gehört zu den ältesten Bildmotiven überhaupt. Unzählige Maler haben sie aus ihrer Zeit heraus betrachtet. Dachau war im ausgehenden 19. Jahrhundert als bedeutende Künstlerkolonie für viele Landschaftsmaler ein wichtiges Ziel. Ihr Bestreben war es, deren  Schönheit in einer Welt, die sich durch die Industrialisierung schnell veränderte, im Bild zu bewahren. Die Natur hat sich drastisch verändert. Der Mensch hat sie zersiedelt und zubetoniert. Auch heute beschreiben Künstler die Landschaft, allerdings mit vielfältigeren Möglichkeiten. Der Baum, ein Baustein der Natur, existiert weiterhin. Zunächst als Lebensbaum oder als Mittel um Räumlichkeit zu definieren, wurde er in der Romantik zum eigenständigen Symbol. Diese Vorstellungen fließen in zeitgenössische Darstellungen ein, vor dem Hintergrund der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt und des menschlichen Lebensraums.

ausaltmachkunst

20. September – 30. November 2014

Gebrauchtes und Wertloses ist seit dem frühen 20. Jahrhundert in der Kunst zu Hause. Immer wieder lassen Künstler aus dem Abfall unserer Wohlstandsgesellschaft etwas Neues entstehen. Sie reflektieren unseren Umgang mit alten Gegenständen und setzen dem üblichen Wegwerfen etwas entgegen, indem sie den Dingen durch die Verwandlung in ein Kunstwerk neuen Wert und Haltbarkeit verleihen. Stets wird das ursprüngliche Gefüge aufgelöst um die Einzelteile in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Der Charakter des Ausgangsmaterials wird beibehalten oder stark verfremdet. Bernhard Betz, Raphael Grotthuss, Ole Müller, Anna-Jutta Pietsch, Walter Schreiner und Katrin Siebeck verwandeln Altpapier, Plastiktüten, Kabelhülsen, alte Stühle, Karton- und Kunststoffverpackungen oder benutzte Arbeitshandschuhe in Kunst. Ihre ironischen, witzig spielerischen, skurrilen und manchmal surrealen Objekte haben Charakter und großes ästhetisches Potential.

Treffpunkt Dachau – Ursprung und Gegenwart

2. – 10. August 2014

Ausstellung mit Arbeiten von Gideon Gomo (Simbabwe), Anton Karstel (Südafrika) und Jackie Ruth Murray (Südafrika).

Ein Projekt der Künstlervereinigung Dachau mit Gästen aus Brasilien, Paraguay, Russland, Simbabwe und Südafrika

Waffensichten. Bilder zum Krieg Arbeiten von Simone Lucas, Ruprecht von Kaufmann und Helmut Schweizer

16. Mai – 13. Juli 2014

Hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, nach vielen Jahrzehnten des Friedens, scheint der Krieg bei uns kein zentrales Thema in der Kunst mehr zu sein. Interessanterweise nähern sich Künstler diesem Thema aber immer wieder an, allerdings nicht in Form konkreter Darstellungen, sondern vielmehr durch die subtile Auseinandersetzung mit Bedrohung, Gewalt und Fortschritt.
Der Düsseldorfer Künstler Helmut Schweizer (*1946) beschäftigt sich in seinen vielseitigen Arbeiten mit großen Erfindungen und ihren weitreichenden, meist unheilvollen Folgen. Seine Fotoarbeiten und Installationen spannen einen Bogen vom Chemiker und Alchemisten Fritz Haber über seinen Kollegen Otto Hahn zum Alchemisten Karl Malchus, der für Hitler im KZ Dachau Gold herstellen sollte.
Mit den Arbeiten Schweizers korrespondieren Gemälde und graphische Arbeiten von Simone Lucas (*1973) und Ruprecht von Kaufmann (*1974). In ihnen tauchen Kriegerisches und Gewalt immer wieder auf, wenn auch eher auf der Ebene der Vorstellung oder düsteren Vorahnung. Ihre unheimlichen Szenerien sind in irrealen Bildräumen angesiedelt. Reales und Imaginäres gehen ineinander über.
Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Galerie Rupert Pfab Düsseldorf