Angehaltene Zeit. Zeitgenössische Stillleben

Neue Galerie Dachau
28. April – 23. Juli 2023

Das Stillleben entwickelte sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Europa zu einer eigenständigen Bildgattung. Sie bot den MalerInnen nicht nur Gelegenheit, die Schönheit der Dinge der Natur und des täglichen Lebens wiederzugeben, sondern auch im Wetteifern um deren täuschend echte Wiedergabe ihr malerisches Können vorzuführen. War mit den nature mortes in der Barockzeit stets auch eine verschlüsselte moralische Botschaft, ein gedanklicher Inhalt verbunden, verlor dieser jedoch im 18. Jahrhunderts mehr und mehr an Bedeutung. Stattdessen rückte nun die dekorative Wirkung immer stärker in den Vordergrund.

Jahrhunderte nach dem Ende der Blütezeit dieser künstlerischen Gattung beschäftigen sich MalerInnen und längst auch Foto- und VideokünstlerInnen nach wie vor mit der Wiedergabe der unbelebten Natur. Für einige sind die Stillleben der Barockzeit immer noch Inspirationsquelle. Auch ihre Bilder von Blumen, Tieren, dekorativen Gegenständen und solchen des täglichen Gebrauchs sind bis ins kleinste Detail sorgfältig arrangiert und der Gedanke an Vergänglichkeit und Tod ist durchaus noch präsent.
Doch prägt ihr Erleben der Wirklichkeit heute auch ihre Inszenierungen. Sie reflektieren in verschiedenster Weise die Komplexität von Welt, Zeit und Raum und thematisieren die Mechanismen unserer Wahrnehmung. Nicht selten lassen sie den Betrachter im Zweifel, ob es sich um Realität oder Theater handelt.

An der Ausstellung nehmen teil: Jutta Burkhart (*1969), München; Joachim Froese (*1963), Brisbane/AU; Florian Froese-Peeck (*1975), München; Eva Jünger (*1965), München; Stefanie Pöllot (*1964), Nürnberg; Barbara Probst (*1964), New York / München; Monika Rutishauser (*1963), Zürich/CH; Brigitte Stenzel (*1981), München; Aljoscha Tschaidse (*1998), München;

Die Ausstellung wird zeitgleich mit einer Ausstellung der Gemäldegalerie Dachau veranstaltet, die Stillleben aus dem 19. und 20. Jahrhundert präsentiert.

Abbildung: Brigitte Stenzel, Atelierstillleben – schwarz, 2021

Saluti da Capri!
Eine Insel zwischen Idylle und Tourismus


17. September 2022 – 12. März 2023

Die malerisch im Golf von Neapel gelegene Insel Capri öffnete sich im 19. Jahrhundert dem Tourismus, der auch viele Künstler auf die Insel lockte. Heute zählt die Mittelmeerinsel zu den beliebtesten Ferienzielen Italiens und wird im Sommer von Besuchern aus aller Welt regelrecht überrannt. Wenn zu Spitzenzeiten täglich viele tausend Touristen vom Festland herüberkommen, ist an den ungestörten Genuss der romantischen Flecken nicht zu denken. Doch nach Abfahrt der Tagesbesucher gibt es durchaus noch stille Orte und in den Wintermonaten sind die Bewohner weitgehend unter sich.
Die Ausstellung zeigt verschiedene Seiten der Insel und lässt auch einen Blick hinter die Kulissen des Tourismus zu. Mit Fotografien, Skulpturen und einer Soundinstallation von Enrico Desiderio, Gianluca Federico, Bruno Flavio, Klaus Frahm und Raffaela Mariniello.

Flexible Areale
Installationen von Annegret Bleisteiner und Toni Wirthmüller

6. Mai – 17. Juli 2022

Nach Stationen in Maastricht und München zeigen Annegret Bleisteiner und Toni Wirthmüller in der Neuen Galerie mit Flexible Areale ein neues Gemeinschaftsprojekt. Ihre künstlerische Kooperation versteht sich als Work-in-Progress und entwickelt sich von Ort zu Ort weiter. Für die Neue Galerie Dachau haben sie neue Arbeiten konzipiert, in denen sich Körper, Raum und Bewegung durchdringen und überlagern. Mit Bildern, Zeichnungen, Installationen und einer Video-Projektion reagieren sie auf die jeweils vorgegebene räumliche Situation und die Arbeiten des jeweils anderen.

Foto Thomas Splett


Landschaftsmalerei. Zeitgenössische Positionen IV

17. Dezember 2021 – 27. März 2022

Alle drei Jahre präsentiert die Neue Galerie Dachau Landschaftsmalerei der Gegenwart und knüpft hier an die Tradition der Künstlerkolonie Dachau an, die ganz im Geist der Freilichtmalerei entstand. Was ist 100 Jahre später aus dem ehrwürdigen Genre der Landschaftsmalerei geworden?

Von den fünf ausgewählten Maler*innen arbeitet nur noch eine in der Natur. Die Bilder der anderen entstehen nach eigenen oder fremden Vorlagen im Atelier. Ihre Landschaften sind imaginäre, die es ohne Erinnerung an reale freilich nicht gäbe. Vielfach werden die Grenzen der Gattung ausgelotet. Wie viel muss von Landschaft erkennbar sein, damit ein Bild als solche wahrgenommen wird?

Beteiligte Künstler

  • Ludwig Arnold
  • Szilard Huszank
  • Anja Niedring
  • Felix Rehfeld
  • Kiki Stickl

© Intro-Bild: Ludwig Arnold

Kiki Stickl, o.T., 2019

Tempo? Reflexionen über Geschwindigkeiten

18. September – 28. November 2021

Lange Zeit verband man die kontinuierlich zunehmende Geschwindigkeit mit Moderne und Fortschritt und das Lebenstempo steigerte sich bis hin zum rasenden Stillstand (Paul Virilio). Inzwischen wird am Sinn und Nutzen einer immer weiter zunehmenden Beschleunigung vielfach gezweifelt und längst herrscht ein Bedürfnis nach zumindest zeitweiser Entschleunigung. 2020 erzwang die Corona-Pandemie einen plötzlichen Stillstand, der unser an die Schnelligkeit gewöhntes Zeitempfinden aufs Neue irritierte.
Die Ausstellung stellt neun zeitgenössische Positionen zusammen, die sich mit unterschiedlichen Facetten verschiedener Geschwindigkeiten befassen. Die Künstler*innen reflektieren die ständige Zeitknappheit, das Rasen, den Geschwindigkeitsrausch aber auch das Warten und Innehalten. Der abschließende Blick auf eine Zeitspanne, die die menschliche Lebenszeit weit übersteigt, relativiert in der Folge wechselnde persönliche Zeiterfahrungen.

Mit Werner Alt, Caro Jost, Susanne Neumann, Stefan Rohrer, Verena Seibt, Aleksandra Signer, Clea Stracke, Stefanie Unruh und Olaf Unverzart

Bild: Olaf Unverzart (*1972), Grosser St. Bernhard, 2013, aus der Serie The Line (Alpen), Archival Pigment Print, rotes Linierband

Zu Gast in der Neuen Galerie: artTextil e.V. mit Bauhausfrauen und Co

6. August – 22. August 2021

Unter dem Motto 102 Jahre Bauhaus – FARBEN – FORMEN – FRAUEN präsentiert der Dachauer Verein artTextil eine textile Hommage an die Bauhausfrauen und ihre Lehrer. ArtTextil-Mitglieder ließen sich von den Künstlerinnen der Bauhauszeit zu eigenen Arbeiten inspirieren, die sie mit neuen Materialien in verschiedenen textilen Techniken umgesetzt haben. Die Ausdrucksformen der Textilobjekte sind so vielfältig wie ihre Schöpferinnen und spiegeln nicht nur den charakteristischen Bauhausstil, sondern auch Zeitgeist und Kreativität wieder.

Besondere Attraktion der Ausstellung sind die Quilts der dänischen Gruppe QUILTE-BIERNE, die über den Sommer in Dachau zu Gast ist.

Schwarz // Weiß. Zeitgenössische Papierschnitte

16. Mai 25. Juli 2021

Der Scherenschnitt, der seit dem 17. Jahrhundert in Europa beheimatet ist, erlebte um 1800 eine Blütezeit. Im Biedermeier entstanden aus dem Papier vor allem Porträtsilhouetten sowie dekorative Blumen- und Märchenmotive. Doch künstlerische Beschäftigung mit dem Spiel von Licht und Schatten in Verbindung mit dem Werkstoff Papier setzt sich bis in die Gegenwart fort. Besonders seit den 1990er-Jahren greift eine Vielzahl von zeitgenössischen Künstler*innen diese traditionelle Kunstform wieder auf und interpretiert sie neu. Zwar wurde die Schere als Schneidewerkzeug meist durch feine Klingen ersetzt, aber nach wie vor zeigt sich in der ‚Ausschneidekunst‘ höchste Kunstfertigkeit. Längst jedoch haben die Künstler*innen den traditionellen, oft mit weiblicher Handarbeit konnotierten Papierschnitt vom Staub der biedermeierlichen Idylle befreit. Renommierte Künstler wie Christian Boltanski (»Les Ombres«, 1985), Hans Peter Feldmann (»Schattenspiel«, 2002) oder auch die Afroamerikanerin Kara Walker, die sich in ihrer Scherenschnittarbeit »Darkytown Rebellion« (2001) mit Rassismus in Amerika beschäftigte, beweisen, dass der Papierschnitt heute allen Inhalten offen steht. Gleichermaßen groß ist die gestalterische Vielfalt der zeitgenössischen Papercuts, die längst auch den Raum erobert haben: Neben reinen Schnittzeichnungen gibt es Arbeiten, die durch raffinierte Montage an der Wand zu Reliefs werden, aber auch monumentale Installationen.
Mit Ergül Cengiz, Andreas Kocks, Victoria Martini, Martin Off, Sebastian Pöllmann, Zipora Rafaelov, Madeleine Schollerer und Annette Schröter

Die Ausstellung ist ein Beitrag zur siebten Ausstellungsserie des Museumsverbunds Landpartie – Museen rund um München. In Bezug auf das Motto Hell & Dunkel zeigt sie Arbeiten aus schwarzem und/oder weißem Papier.

Die für Frühjahr 2021 angekündigte Ausstellung Tempo? Reflexionen über Geschwindigkeiten wurde auf den Herbst verschoben. Die Eröffnung ist für die Lange Nacht der offenen Türen am 17. September 2021 geplant.

Written Imagery

Aatifi / Dagmar Buhr / Babak Saed / Elizabeth Thallauer
12. September 2020 – 21. März 2021

Kunst im Spannungsfeld zwischen Text und Bild hat nicht nur im westeuropäischen Kunstraum eine lange Tradition. Vom Betrachter wird Sprache gesehen, gelesen und immer auch bildlich erfahren. Vier Künstler*innen machen Sprache zum Bild, ihre Muttersprache, das später erworbene Deutsch oder Englisch als normierte Computersprache. Alle bringen einen anderen kulturellen Hintergrund mit. Die in der islamischen Kultur aufgewachsenen Künstler Aatifi und Babak Saed sind Grenzgänger zwischen den Kulturen. Während Aatifi unlesbare skripturale Elemente verwendet, ohne von uns deren Lesbarkeit zu erwarten, lotet Elizabeth Thallauer spielerisch unsere neurobiologischen Grundlagen der Texterkennung aus. Babak Saed und Dagmar Buhr fordern den Betrachter heraus, sich mit dem Inhalt ihrer mehrdeutigen Wortbilder auseinanderzusetzen.

Tête-à-Tête. Christian Jasper und Jochen Pankrath im Dialog

6. Dezember 2019 – 15. März 2020

In enger Zusammenarbeit konzipierten der Zeichner und Bildhauer Christian Jasper (*1967) und der Maler Jochen Pankrath (*1981) während eines Jahres die Ausstellung »Tête-à-tête«, die ihre Arbeiten in ein ‚Gesamtkunstwerk‘ einbettet. Ihr als „Zwischenlösung“ konstruierter „Schutzraum“ birgt und präsentiert Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Objekte, die als Antwort auf Werke des jeweils anderen neu entstanden oder aus dem Fundus stammen. Malerei und Skulptur, die bevorzugten Kunstgattungen der beiden Künstler gehen dabei unauflösliche Verbindungen ein. Etwa wenn zwei aus der Wand ragende Arme Christian Jaspers ein Bild von Jochen Pankrath halten. Den Besucher erwartet ein spannendes Spiel der Künste auf verschiedenen Realitätsebenen.

Raumerkundungen

14. September – 17. November 2019

Raum  luftleer, umbaut, genutzt oder nicht, in jedem Fall dreidimensional  darum drehen sich die Arbeiten dreier Künstlerinnen in der Neuen Galerie. Regina Baierl (*1967) richtet in gebrauchten Schränken Räume ein, die sie in Anlehnung an die Studierzimmer der Renaissance »Studioli« nennt. Ihre Gehäuse sind weniger Rückzugsorte als vielmehr Erfahrungsräume, die Ein- wie auch Ausblicke versprechen. Susanne Pittroff (*1959) untersucht mit ihren Zeichnungen die Bezüge von Mensch, Ding und Raum. Linien markieren Grenzen, teilen eine Fläche in Areale auf und schaffen wieder eigene Raumgebilde. Sich im oder außerhalb des Raums zu befinden ändert viel, vor allem die eigene Perspektive. Afra Dopfer (*1962) stellt als Bildhauerin Fragen nach dem Verhältnis von Raum, Körper und Fläche. In mehreren Videos zeigt sich ihr eher spielerischer Umgang mit dem zu- und abnehmenden Raumvolumen. Auf den Besucher warten überraschende Erfahrungen, die eine andersartige Betrachtung und Nutzung von Räumen vermitteln kann.